PLAYBOOK NR. 4
Hi! Für mein heutiges Playbook habe ich etwas länger benötigt als gedacht, aber es hat sich gelohnt. Diese Ausgabe ist wie jeden Dienstag für meine zahlende Abonnent:innen, weil hinter der Paywall steht, warum welche Frage im Management-Check zählt, was du aus deinem Ergebnis machst und wie du einen Managementvertrag prüfst. Die Artikel-Vorschau, der Management-Check und der mein Deal-Rechner sind kostenlos.
Als ich noch selbst YouTuber war, habe ich einen Vertrag bei einem Multi-Channel-Netzwerk unterschrieben, ohne wirklich zu verstehen, welche Verpflichtungen ich damit eingehe. Schlimmer war aus heutiger Sicht jedoch, dass ich mir gar nicht die viel wichtigere Frage gestellt hatte: „Brauche ich echt ein Management?”
Ein Management zu haben haben, das klingt gut, oder? Das hört sich professionell an, das bedeutet Ernst genommen zu werden, danach, mehr Geld zu verdienen und weniger eigenständig Arbeiten zu müssen. Ist das wirklich immer so? Denn manchmal höre ich auch das Gegenteil.
Die meisten Creator stellen sich die Frage, ob sie ein Management wirklich brauchen, kurz bevor sie einen Vertrag unterschreiben. Das Timing würde ich als eher suboptimal bezeichnen.
Ich habe für dieses Playbook wirklich lange überlegt, wie ich diese Frage beantworte, ohne nur aufzuzählen, was ein Management alles tut. Ich bin ja selbst Gründer eines Managements und habe den Anspruch, ein aufrichtiges, ehrliches Plädoyer für, aber auch gegen eine Mangement-Entscheidung zu schaffen.
Was ein Management alles für dich macht, das steht auf jeder Management-Website und hilft dir bei der Entscheidung nicht. Was hilft, ist ein Blick auf dein eigenes Business. Deshalb gibt es zu diesem Playbook meinen Management-Check mit zehn Fragen und deinem persönlichen Score von 0 bis 100. In diesem Playbook schreibe ich über die Werte & Fragen hinter dem Management-Check.
Ich habe es dir zwar schon weiter oben aufgeschrieben, aber hier nochmal ein Disclaimer:
Ich bin selbst Talent-Manager und lebe von genau so einer Management-Provision. Deshalb habe ich dir im weiteren Verlauf ausführlich aufgeschrieben, wann du keins brauchst. Eine *Werbung für unser Management YilmazHummel findest du hier nicht. Das Playbook soll dir helfen, jedes Management-Angebot zu lesen, auch unseres. Also los geht’s!
*Ich bevorzuge für so eine Beratung sowieso ein persönliches Gespräch.
1. Was ein Management ist, und was nicht
Ein Talent-Management arbeitet für den Creator, nicht für die Marke. Es vertritt dich gegenüber Marken, Agenturen, Verlagen und Sendern und wird in der Regel mit einem Anteil an deinen Einnahmen bezahlt.
Im US-Markt sind das zwei Berufe: Manager:innen steuern das Gesamtgeschäft und nehmen 15 bis 20 % auf alle Einnahmen, Creator-Agenturen verhandeln einzelne Brand Deals und nehmen 10 bis 20 % auf die Kooperationen, die sie abschließen (Dots, 05/2026). Im DACH-Markt machen viele Managements beides.
Für deine Entscheidung zählt vor allem, wer auf wessen Seite sitzt:
Talent-Management. Arbeitet für: dich. Wird bezahlt: Mit einem Anteil an deinen Einnahmen. Brauchst du, wenn …: Möglichkeiten deine Karriere voranzutreiben, dich laufend Zeit, Geld oder Chancen kosten.
Influencer-Marketing-Agentur. Arbeitet für: die Marke. Wird bezahlt: von der Marke, DACH meist 10 bis 30 % (OMR Reviews). Brauchst du, wenn …: nie als deine Vertretung, sie ist die Gegenseite.
Anwält:in, Steuerberater:in. Arbeitet für: dich. Wird bezahlt: Honorar. Brauchst du, wenn …: ein einzelner Vertrag oder deine Steuern geprüft werden müssen. Sollte jede:r von euch haben, wenn du bereits Geld verdienst. Aber das ist meine Meinung, keine Rechts- oder Steuerberatung.
Wenn du auf der Marken-Seite sitzt: Das Management ist die Institution, die für die Creator den besten Preis will. Das ist kein Hindernis, sondern der Grund, warum am Ende ein Vertrag steht, den beide Seiten halten können.
2. Das leistet ein Management für dich
Ein Management arbeitet auf drei Ebenen. Für deine Entscheidung zählt, welche Ebene dir gerade fehlt.
1. Kooperationen. Was konkret anfällt: Anfragen sichten, kalkulieren (siehe Playbook Nr. 2), verhandeln, Vertrag, Briefing, Freigaben, Rechnung, Mahnung, Backoffice. Bei dir bleiben Anfragen liegen und Mails fressen deine Zeit? Dann ist das ein Punkt, der für ein Management spricht.
2. Aufbau. Was konkret anfällt: Positionierung, Preise, aktive Pitches an Marken (Outbound), neue Erlösquellen wie Buch, Bühne, Moderation, eigene Produkte. Du weißt, wohin du willst, aber nicht, wen du dafür anrufst? Dann ist das ein Punkt, der für ein Management spricht.
3. Schutz. Was konkret anfällt: Exklusivitäten und Rechte-Laufzeiten im Blick, Kollisionen zwischen zwei Deals, Nein sagen. Du überfliegst Verträge oder läufst Zahlungen hinterher? Auch das ist ein Punkt, der für ein Management spricht.
Die drei Ebenen erklären, warum OMR für Managements eine Spanne von 10 bis 50 % nennt (OMR Reviews). Wer nur Ebene 1 abwickelt, verkauft Abwicklung, und Abwicklung ist austauschbar. Wer alle drei macht, verkauft auch den Überblick über den Markt, den du allein nicht hast. Deshalb steht über diesem Playbook:
„Ein Managementvertrag ohne Leistungskatalog ist kein Managementvertrag.”
Die meiste Zeit geht meiner Erfahrung nach nicht in die Verhandlung von Kooperationen, sondern in alles danach: Briefing-Schleifen, Freigaben, Rechnungen, Zahlungserinnerungen. Das ist die Arbeit, die niemand sieht, und genau die, für die ein Creator mit vollem Postfach am Ende zahlt!
Wo du gerade stehst, zeigt dir der kostenlose Management-Check in zwei Minuten. Warum er welche Frage stellt, welches Management zu deinem Ergebnis passt, was dich die Provision wirklich kostet und wie du einen Vertrag prüfst, steht im Rest dieses Playbooks. Der ist für zahlende Abonnent:innen, weil darin die Denkweise steckt, mit der ich selbst prüfe, ob eine Zusammenarbeit für einen Creator Sinn ergibt, und die Checkliste, mit der ich Verträge lese.


